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Kastration

Nach der Vorauswahl zur Körung müssen leider viele Hengstaufzüchter enttäuschend feststellen, daß der von ihnen aufgezogene Junghengst nicht auserwählt wurde, die Population des jeweiligen Zuchtgebietes mit seinem Blut zu veredeln. Nun stellt sich für den Aufzüchter und / oder Besitzer die Frage, was mache ich mit meinem immer frecher werdenden Junghengst? Wie bei vielen Generationen vorher entschließt man sieh schließlich dazu, den Hengst kastrieren zu lassen.

Die Notwendigkeit der Kastration männlicher Haustiere entwickelte sich aus der Möglichkeit züchterischen Fortschritt durch gezielte Anpaarungen erreichen zu können. Da naturgemäß deutlich weniger Vatertiere für die Vergrößerung der Population notwendig sind und sich die Zuchtmethoden immer mehr verbessern (terminierte Paarung und künstliche Besamung> kann die Aufzucht und Haltung männlicher Tiere auf ein Minimum beschränkt werden. Auch das Verhalten eines männlichen Tieres und dem damit verbundenen schwierigen Umgang bringen die Notwendigkeit der Kastration männlicher Tiere zum Ausdruck.

Die Kastration des Hengstes wurde schon im Altertum durchgeführt. Während anfangs eine Quetschung des Samenstranges angewendet wurde ist man später aufgrund der höheren Erfolgsrate zur Entfernung der Hoden übergegangen. Bei der ersten Methode - auch unblutige Kastration genannt - wird durch Abquetschen der samenableitenden und die Durchblutung der Hoden gewährleistenden Gefäße, die Hoden zum Veröden gebracht. Wurde die Abquetschung nicht lange genug vollzogen, kann die Befruchtungsfähigkeit erhalten bleiben.

         

      Kastrationsbesteck

Eine sicherere Methode ist die Entfernung der Hoden - blutige Kastration. Hierbei werden durch einen chirurgischen Eingriff beide Hoden entfernt. So alt die Kastration des Hengstes auch schon ist, so wurden und werden doch immer wieder neue Operationsmethoden genutzt. Ursache für die verschiedenen Modifikationen der Kastrationsmethoden sind eine immer besser werdende Möglichkeit der Narkose und der Schmerzausschaltung, aber auch die immer wieder auftretenden Komplikationen bei der Kastration des Hengstes.

    Kastration im Liegen mit bedecktem Samenstrang und Ligatur

Kastrationsmethoden

Man unterscheidet grundsätzlich zwei Methoden der Kastration: die bedeckte und die unbedeckte.

Bei der bedeckten Kastration wird der Schnitt nicht bis in das Hodengewebe vorgenommen, sondern nur bis zur sogenannten Scheidenhaut, die eine Trennung zur Bauchhöhle hin darstellt. Die Bedeutung der unterschiedlichen Methodik liegt in der körperlichen Entwicklung des Hengstes begründet. Während bei einem Junghengst der Leistenspalt - also die Verbindung zur Bauchhöhle relativ eng ist und die Möglichkeit eines Vorfalles von Darmanteilen oder dessen Aufhängeapparates (Netzvorfall) sehr gering ist, besteht bei einem älteren Hengst (ab 3 Jahre) die Gefahr, daß diese Teile sich über den Leistenspalt in die Kastrationswunde drängen. Hier stellt sieh eine der größten Komplikationen dieser doch recht einfachen Operation dar: der Darmvorfall Kommt es nach einer Kastration zu diesem Vorfall, kann nur in seltenen Fällen durch schnelles Eingreifen der Tod des Tieres verhindert werden. Es muß versucht werden, die vorgefallenen Darmteile so schnell und keimfrei wie möglich wieder in die Bauchhöhle zu bekommen. Da diese nach dem Vorfall aus der Kastrationswunde sehr schnell anschwellen und sich mit Darminhalt füllen, ist ihre Rückführung oft schwierig, zum Teil auch unmöglich. Nur eine Durchtrennung des Darmabschnittes und eine nachfolgend angefertigte Anastomose (Aneinandernähen von Darmabschnitten) bringen dem Tier dann noch eine Rettung. Aus der Möglichkeit des Darmvorfalles resultierend wird bei der Kastration älterer Hengste im Liegen unbedingt empfohlen, den Samenstrang vor seiner Durchtrennung zu ligieren (Abbinden mit einem chirurgischen Faden).

                             Darmvorfall nach Kastration

Die Komplikation des Darmvorfalles tritt prozentual relativ selten auf, so daß auch die unbedeckte Kastration von Junghengsten heutzutage noch häufig durchgeführt wird. Vorteil dieser Methode ist die Möglichkeit der Kastration des stehenden Hengstes. Mit der Durchführung einer sogenannten Neuroleptanalgesie (Beruhigung und Schmerzausschaltung) und einer zusätzlichen lokalen Schmerzausschaltung kann die Entfernung der Hoden auch am stehenden Pferd durchgeführt werden. Ein Narkoserisiko und auch die höheren Kosten einer fachgerechten Narkose können damit umgangen werden. Auch der personelle Aufwand ist bei der Kastration des Hengstes im Stehen geringer als beim abgelegten, narkotisierten Pferd.

    Lokalanästhesie                                        Freipräparieren des Hoden                     

                                                                           Quetschen des Hodens

Während die bedeckte und die unbedeckte Kastration eine grundsätzliche Unterscheidung der Kastrationsmethoden darstellt, gibt es noch verschiedene Modifikationen der beiden Methoden. So kamen und kommen die verschiedensten Quetsch- und Kastrationszangen bei dieser Operation zur Anwendung. Alle diese Instrumente erfüllen den Zweck den Samenstrang zu quetschen (um Nachblutungen zu verhindern) und schließlich zu durchtrennen.

Die Schnittführung der Kastration wird ebenfalls sehr unterschiedlich gehandhabt. So kann ein Schnitt zwischen beiden Hoden liegend angesetzt werden oder zwei Schnitte direkt auf dem Hodensack. Einige Operateure setzen ihren Schnitt auch in der Leistengegend. Auch der Verschluß des eröffneten Hodensackes wird von einigen Operateuren (häufig unter stehlen Bedingungen in der Klinik) ausgeführt Dieser Verschluß soll eine Keimbesiedelung der Wunde im Stall verhindern. Diese Methode wird bei der Kastration im Stall nicht empfohlen, da durch das mögliche Eindringen von Keimen im geschlossenen Hodensack es zu schwerwiegenden Infektionen kommen kann.

Die Kastration des Hengstes ist in einer Klinik am risikoärmsten. Geschultes Personal und eine hohe Sterilität verhindern die Möglichkeit des Auftretens von Komplikationen wie Narkosezwischenfällen und Wundinfektionen. Auch die Nachsorge des Patienten rund um die Uhr kann besser gewährleistet werden als im heimatlichen Stall.

         

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