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Hauterkrankungen

Hauterkrankungen des Pferdes

Ein selten beachtetes und trotzdem häufig auftretendes Problem beim Pferd sind Erkrankungen der Haut. Wie oft sieht man auf Turnierplätzen oder Zuchtveranstaltungen Pferde mit Veränderungen der Haare oder der Haut. Daraufhin angesprochen äußern Besitzer oder Reiter meistens, daß sich das Pferd gerade aufgescheuert hätte. Grund dieser Heimlichtuerei ist das Wissen um die Ansteckungsgefahr dieser Erkrankungen. Wer hört schon gern, daß sein Pferd Ursache für die Erkrankung eines anderen sein soll. Beachtet werden diese Hautveränderungen oftmals deshalb nicht, weil sie die Leistungsfähigkeit des Pferdes selten beeinflussen. Erst wenn die erkrankten Bereiche Sattelgurt oder Zaumzeug erreichen oder die Gliedmaßen anschwellen wird das Problem ernst genommen. Eine andere Ursache für das nicht Beachten dieser Erkrankungen sind die oftmals unbefriedigenden Behandlungsergebnisse. Wie beim Menschen werden heutzutage Hauterkrankungen nicht mehr durch einen einzelnen Erreger verursacht, sondern stellen ein multifaktorielles und damit schwer zu diagnostizierendes und therapierendes Problem dar.

     

    Hautstanze zur Diagnostik

Um einen Einblick in die Vielfalt der Hauterkrankungen zu bekommen, muß die Komplexität ihres Aufbaues und ihrer Funktion beachtet werden.

Aufbau und Funktion der Haut

Die Haut ist das größte Organ des Pferdekörpers. Sie schützt den Körper und hält ihn in konstanter Verbindung mit der Außenwelt. Sie ist verantwortlich für die Regulation der Körpertemperatur, des Wasser- und Elektrolythaushaltes, des Eiweiß-, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsels, der Aufnahme von Sauerstoff und der Abgabe von Kohlendioxid. Außerdem ist sie durch die Versorgung mit Sinneszellen in der Lage, durch die Unterscheidung von Kälte und Hitze, Juckreiz und Schmerz auf die Einflüsse der Umwelt zu reagieren.

Die Haut ist aus mehreren Schichten aufgebaut. Oberflächlich befindet sich eine Schicht mit abgestorbenen Hautzellen und -schuppen (Stratum corneum). Die darunter liegende Schicht  (Stratum spinosum) beherbergt Zellen, die Keratin - ein Eiweiß - bilden. Außerdem befinden sich in dieser Hautschicht pigmentbildende Zellen. Unter dieser Zellschicht ist die Lederhaut eingebettet, eine Schicht, die von Fasern, Zellen und einer Grundsubstanz gebildet wird. Sie dient den über ihr liegenden Zellschichten als Auflage und Nährboden.

Die Haut des Pferdes ist mit bis zu 8 mm im Verhältnis zu anderen Tierarten relativ dick. Die Dicke variiert zwischen den einzelnen Regionen. Die Haut geht an bestimmten Stellen in ähnlich aufgebaute Schichten über (Huf, Maulschleimhaut, Nüstern, After, Scheide, Penis, Auge). Sie beherbergt außer den Haaren, Talg- und Schweißdrüsen, die wichtige Funktionen in der Auseinandersetzung mit der Umgebung ausüben.

Erkrankungen der Haut

Hauterkrankungen können durch infektiöse und nichtinfektiöse Faktoren ausgelöst werden. Oftmals haben sie einen kombinierten Charakter.

1. Infektionen der Haut

Pilzinfektionen

Die beim Pferd am häufigsten auftretende infektiöse Hauterkrankung wird durch Pilze hervorgerufen. Weit verbreitet sind Infektionen mit Microsporen und die Trichophytie. Die Erkrankungen mit Vertretern dieser Pilze wird auch Dermatomykose oder Flechte bezeichnet. Sie zeigen an verschiedenen Lokalisationen runde, begrenzt schuppige haarlose Bezirke. Der Durchmesser dieser Hautveränderungen beträgt meist 1 - 5 Zentimeter.

     

    Infektion mit Microsporum eyuinum

Im Allgemeinen sind Dermatomykosen durch konsequent durchgeführte lokale Behandlungen mit Antimykotika gut therapierbar. Wichtig ist eine mehrmalige Therapie, da einmalig appliziert, nicht alle Pilze absterben und außerdem die Entstehung von Resistenzen ermöglicht wird. In schwerwiegenden Fällen besteht die Möglichkeit, mit der Verabreichung von Antimykotika über das Futter das Problem in den Griff zu bekommen. Gerade bei Pilzerkrankungen ist durch die hohe Ansteckungsgefahr darauf zu achten, daß Putz-, Zaum- und Sattelzeug desinfiziert und die Pilze damit nicht auf andere Tiere übertragen werden.

     

    Pilzinfektion in der Sattellage

Eine bei Fohlen nicht selten auftretende Hauterkrankung ist die nach chronischen Durchfällen auftretende Candidiasis. Die zu den Hefen zählenden Erreger befallen die mit Kot in Berührung kommenden Hautstellen, rufen Haarlosigkeit und Rötung hervor. Nach Abheilung des Durchfalls, heilen die veränderten Hautpartien oft ohne Behandlung ab.

Weniger häufig tritt die Sporotrichose auf. Diese Pilzerkrankung ruft Veränderungen hervor, die sich in Form von bis zu pfenniggroßen Knötchen darstellen. Diese Knötchen sind entweder mit intakter Haut bedeckt oder haben eine blutige Kruste.

Die Phykomykose ist eine aggressive Pilzerkrankung. Die Erreger dringen tief in die Hautschichten und befallen auch das Hufhorn. Eine Therapie ist oft langwierig und aufwendig.

     

    Entnahme von Haarproben zur Diagnostik

Parasitosen

Zu den wichtigsten parasitär bedingten Hauterkrankungen in unseren Breitengraden zählt der Befall mit Räudemilben. Entsprechend ihrer Mundwerkzeuge befallen die einzelnen Milbenarten die unterschiedlichsten Schichten der Haut. Die Schuppenmilbe (Chorioptes equi) ernährt sich von abgestorbenen Hautteilchen und -schuppen. Sie siedelt sich häufig im Bereich des Kopfes an. Die Hautveränderungen sind oberflächlicher Natur. Auffallend sind flächiger Haarausfall und Hautreizungen. Saugmilben (Psoroptes equi) sind die klassischen Erreger der Mauke. Heute stellt diese Erkrankung ein Geschehen dar, das durch viele andere Faktoren beeinflußt wird. Die Psoroptesmilben nehmen aus einer vorgeschädigten Haut flüssige Bestandteile wie Blut und Lymphe auf. Durch den Sekundärbefall mit Bakterien entstehen oftmals schwer abheilende Hautwunden. Der Befall der Haut mit Grabmilben (Sarcoptes equi) stellt eine schwerwiegende Erkrankung dar, weil sie zum einen außer andere Tierarten auch den Menschen befallen kann und zum anderen schwer zu therapieren ist. Grabmilben dringen tief in die Haut ein und schädigen diese großflächig.

Während sich die Behandlung der Psoroptes- und Chorioptesmilben durch mögliche Waschungen mit Antiparasitaria relativ einfach gestaltet, ist eine oberflächliche Behandlung eines Sarcoptesmilbenbefalles nicht ausreichend. Es werden hierbei Antiparasitaria auch systemisch (über Injektionen oder übers Futter) eingesetzt.

Selten tritt beim Pferd der Befall mit Haarbalgmilben (Demodex equi) auf. Wie der Name dieser Parasiten hinweist, befallen diese Milben tiefe Hautschichten und setzen sich an den Haarbälgen fest.

Eine häufig auftretende Parasitose ist der Befall mit Haarlingen. Gerade bei ungepflegten, abgemagerten Tieren sieht man oftmals die Eier der Haarlinge an den Haarschäften kleben. Eine Waschung mit einem Antiparasitikum beseitigt die unbeliebten Gäste sehr schnell.

     

    Haarlingsbefall

Gut sichtbar, aber für die Haut unproblematisch stellt sich der Befall mit Eiern der Magendasseln (Gasterophilus) dar. Sie kleben vom Spätsommer bis zum Winter an den Vorderbeinen der Pferde, irritieren sie aber selten. Durch scheuern und lecken gelangen sie an ihren eigentlichen Schädigungsort - den Magen -.

Eine sehr hartnäckige Erkrankung der Haut ist die Habronematose. Diese Wurmlarven werden über Fliegen auf kleine Wunden übertragen, wo sie die Wundheilung durch Irritation hemmen. Die Heilung dieser Sommerwunden ist nur möglich, wenn durch die systemische Gabe eines Antiparasitikums die Larven abgetötet werden. Die Sommerwunden tragen ihren Namen aus dem Grunde, weil nur im Sommer die Larven über bestimmte Fliegenarten übertragen werden.

Eine ähnliche Erkrankung stellt die bei uns selten vorkommende Mikrofilariose dar. Diese Würmer (Onchozerken) siedeln sich in der Haut an und verursachen schuppige, entzündete Hautpartien mit kleinen z.T. über den gesamten Körper verteilten Knötchen.

Virusinfektionen

Die oft bei jungen, abwehrschwachen Pferden auftretende Pappillomatose ist die bekannteste durch Viren hervorgerufene Viruserkrankung beim Pferd. Die Papovaviren führen zu warzigen Hautveränderungen, die meistens die Maul,- Nasen- und Ohrregion betreffen. Die Warzen heilen oftmals unproblematisch nach einigen Wochen ab. Nur wenn sie aufgrund ihrer Größe verletzt werden, ist eine Therapie notwendig. In seltenen Fällen führt der Befall der Ohrmuschel zu Verformungen.

Bakterielle Infektionen

Bakterien spielen bei vielen Hauterkrankungen als Sekundärerreger eine große Rolle. Durch Vorschädigung der Haut und damit Zerstörung der Schutzmechanismen, dringen sie in die Tiefe ein und verhindern trotz konsequenter Therapie des Grundleidens eine Abheilung der veränderten Haut. Durch einen Nachweis der Erreger und durch die Anfertigung eines Antibiograms, ist man in der Lage über eine systemische Gabe von Antibiotika, diese schwer heilenden Hauterkrankungen zu beherrschen.

Bakterielle Hautinfektionen treten oft in Folge von Verletzungen auf, die dann zu Fisteln, Geschwüren und Abszessen führen.

2. Hauterkrankungen nichtinfektiöser Ursache

Verletzungen

Viele Verletzungen führen in erster Linie zur Zerstörung bestimmter Hautpartien. Während Hautabschürfungen unproblematisch abheilen, sind Verletzungen mit Durchtrennung aller Hautschichten komplizierter. Werden sie nicht chirurgisch versorgt, entstehen in vielen Fällen Komplikationen bei ihrer Abheilung. Eine der bekanntesten Komplikationen bei der Abheilung von Wunden im Bereich der unteren Gliedmaßenabschnitte ist die Bildung von Caro luxurians (wildem Fleisch). Durch eine zu starke Anregung des Granulationsgewebes zur Heilung kommt es zu Wucherungen über die Wundränder hinaus. Diese Wucherungen müssen für eine Abheilung der Wunde chirurgisch abgetragen oder geätzt unter einem Druckverband zur Abheilung gebracht werden.

Im weitesten Sinne können Hauterkrankungen durch chemische und thermische Einflüsse auch zu den Verletzungen gezählt werden. Hier werden je nach Intensität der entsprechenden Verätzung, Erfrierung oder Verbrennung die Schichten der Haut zerstört. Treten diese Erkrankungen großflächig auf, kann dies für das Pferd lebensbedrohlich werden, da die Haut ihre Schutzfunktion nicht mehr ausüben kann. Auf die Behandlung dieser Hauterkrankungen soll aufgrund der Komplexität verzichtet werden.

     

    Sonnenbrand im Nasenbereich

Hauterkrankungen allergischen Ursprungs

Ähnlich wie beim Menschen und beim Kleintier nimmt in der Pferdemedizin die Erkrankung durch allergene Stoffe zu. Sie sind oftmals Wegbereiter für schwerwiegende infektiös bedingte Hauterkrankungen. Häufig treten diese Erscheinungen im Bereich der unteren Gliedmaßenabschnitte des Pferdes auf, die heutzutage vielen verschiedenen „pflegenden oder heilenden Stoffen“ ausgesetzt sind. Das dann als „Mauke“ bezeichnete Krankheitsbild ist durch ein krustöses Ekzem, besonders in der Fesselbeuge gekennzeichnet. Durch die Behandlung der Sekundärerreger und durch Kortikosteroidgaben ist eine Abheilung möglich. Oftmals kommt es bei empfindlichen Pferden zu Rezidiven (Wiederkehren des Erkrankungsprozesses).

     

    Krustöses Ekzem am rechten Hinterbein

Nicht selten treten auch Allergien auf, bei denen kurzzeitig der ganze Körper befallen wird. Diese durch Hautquaddeln und durch Anschwellen der Schleimhaut gekennzeichnete Erkrankung wird als Nesselfieber (Urtikaria) bezeichnet. Sie kann bei sehr starkem Anschwellen der Schleimhäute lebensbedrohlich werden. Die Gabe von Antihistaminika oder Kortikosteroiden  kann die Symptome zum Abklingen bringen. Die Untersuchung auf Allergene zeigt oftmals eine Vielzahl auslösender Stoffe.

     

    Nesselfieber im Halsbereich

Tumore der Haut

Der häufigste Tumor der Hautoberfläche des Pferdes ist das Equine Sarkoid. Als Ursache dieses bösartigen Tumors wird ein Virus angenommen. Die Erkrankung stellt sich als eine mit z.T. faustgroßen Warzen an den verschiedensten Körperstellen auftretende Hautveränderung dar. Obwohl der Tumor bösartig ist, beeinträchtigt er das Pferd meist nur, wenn er aufplatzt oder im Bereich der Sattel-, Gurt- oder Zaumzeuglage auftritt. Die chirurgische Entfernung dieser Warzen ist oftmals unbefriedigend, weil die Wunden schlecht abheilen und nach einer gewissen Zeit wieder zu einer Neuerkrankung führen. Erfolgversprechender ist die kryochirurgische Behandlung (Vereisen). Kleine Tumore können auch medikamentell behandelt werden.

     

    Equine Sarkoide im Schenkelspalt

Ein bei älteren Schimmeln auftretender Tumor ist das Melanom. Dieser bösartige Tumor beginnt häufig im Bereich von After und Scheide zu wachsen, beeinträchtigt die Pferde lange Zeit nicht. Kommt es zum Verschluß des Afters oder der Scheide, ist der Tumor lebensbedrohlich.

Selten tritt beim Pferd das Plattenepithelkarzinom auf. Dieser Tumor kommt meist im Bereich der Augen, Nüstern oder am Penis vor. Es ist ein bösartiger schnell wachsender Tumor, der nur durch eine vollständige chirurgische Entfernung geheilt werden kann.

 

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