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Besamung

Die künstliche Besamung in der Pferdezucht

Seit mehreren Jahrzehnten wird die Fortpflanzung in der Pferdezucht durch die künstliche Besamung bestimmt. Durch das Angebot hochkarätiger Hengste über Ländergrenzen hinweg wird sie in einer hohen Prozentzahl von den Züchtern auf der ganzen Welt genutzt.

Bevor Hengste zum Einsatz in die Besamung kommen, werden sie auf Ihre Eignung geprüft. Sie müssen frei von bestimmten ansteckungsfähigen Erkrankungen sein. Der Samen muß vorgeschriebenen Standards entsprechen. Sowohl Anzahl der Spermien, ihre Vorwärtsbeweglichkeit, als auch Ihr anatomischer Aufbau werden geprüft. In der künstlichen Besamung ist es Pflicht, entnommenes Sperma zu testen und entsprechend der Anzahl vorwärtsbeweglicher Spermien (mind. 500 Millionen) portionsweise abzufüllen und zur Besamung bereitzustellen.

Junghengste müssen zu Beginn ihrer Karriere als Besamungshengst erst „eingesprungen“ werden. Das heißt, man bringt Ihnen bei, auf ein sogenanntes Phantom zu springen. Auf dieser „künstlichen Pferdedame“ aufgesprungen, wird er durch einen Besamungstechniker stimmuliert. Dieser fängt den Samen in einer künstlichen Scheide auf und bereitet den Samen auf.

     

Durch die Bereitung verschiedenster Verdünner und einer entsprechenden Aufbewahrung des Samens (Kühlung, Aufbewahrung auf dem Schwenkmischgerät) kann man für viele Hengste eine Befruchtungsfähigkeit der Spermien bis zu fünf Tagen erreichen. Dieses ist beim Versand des Samens natürlich nicht so optimal zu erreichen. Gerade im Sommer bei heißer Witterung ist es trotz entsprechender Kühlbehälter nicht immer möglich, den Samen mit einer hohen Anzahl vorwärtsbeweglicher Spermien an den Ort der Besamung zu bringen.

Viele Faktoren beeinflußen die Samenqualität bis dieser endlich zur Stute gelangt. Ist er dann erst einmal angekommen, sind Tierarzt und / oder Besamungstechniker gefragt ihn zu dem richtigen Zeitpunkt in die optimal vorbereitete Stute zu bringen.

Die Besamung

Um den Hengst optimal auszunutzen bzw. so wenig wie möglich Spermaportionen verwenden zu müssen, wird heute in den meisten Fällen eine gynäkologische Untersuchung der Stute durchgeführt. Beim Natursprung findet dies oft nur in der Form statt, daß die Stute abprobiert wird. Das heißt sie wird dem Hengst vorgeführt und beobachtet. Wichtige Zeichen sind das Verhalten der Stute, das sogenannte Blitzen, Form der Scheide und Farbe deren Schleimhaut. Zusätzlich gibt eine durch den Tierarzt durchgeführte „Follikelkontrolle“ Auskunft über den optimalen Zeitpunkt der Bedeckung / Besamung. Äußere Rosseanzeichen, die Form des Muttermundes, Größe und Form des „Follikels“ (so nennt man die Eiblase) geben ihm darüber Auskunft. Eine Bedeckung / Besamung 12 Stunden vor bis 12 Stunden  nach dem Platzen des „Follikels“ sind zur Erzielung einer Trächtigkeit am günstigsten.

     

Auf einer Station, auf der der Hengst aufgestellt ist oder der Samen gelagert wird, kann sofort nach der „Follikelkontrolle“ die Bedeckung / Besamung vorgenommen werden. Schwieriger ist es bei der sogenannten Hofbesamung. Der Tierarzt muß für 2 Tage im Voraus den Eisprung bestimmen können, weil erst nach der Bestellung und dem Versand eine Besamung erfolgen kann. Er versucht über den Einsatz bestimmter Hormone die Zeit für den Eisprung einzugrenzen. Noch schwieriger ist die Besamung mit Tiefgefriersperma. Obwohl in den letzten Jahren durch immer besser werdende Einfrierverfahren die Befruchtungsfähigkeit des tiefgefrorenen Spermas erhöht werden konnte, ist die Anzahl der vorwärtsbeweglichen Spermien immer noch deutlich geringer als die des Frischspermas. Darum ist es notwendig, die Besamung zeitmäßig noch dichter an den Eisprung heranzubringen. Mehrmalige Follikelkontrollen am Tag müssen deshalb durchgeführt werden.

Fruchtbarkeitsprobleme bei der Stute

Auch wenn der Züchter es oftmals nicht war haben will, liegt der Hauptgrund für eine Nichtträchtigkeit seiner Stute bei dieser selbst.

Neben einer artgerechten Haltung und Fütterung spielt der Gesundheitszustand der Stute eine entscheidende Rolle. Für einige Züchter ist die Aussage, daß die entnommene Tupferprobe ohne einen bakteriellen Befall ausfiel, ausreichend. Diese sagt aber nichts über den Allgemeinzustand der Stute, über hormonelle Störungen oder Unregelmäßigkeiten in der Gebärmutter aus.

Eine Stute - gehalten in einem dunklen, stickigen Stall mit hoher Luftfeuchtigkeit und vielleicht noch an der Kette im Stand - wird nie optimale Fruchtbarkeitsergebnisse erzielen können. Wenn ein ganztägiger Weidegang nicht möglich ist, sollte wenigstens die Möglichkeit des stundenweisen Auslaufs geschaffen werden. Damit wird man außer einer Frischluftzufuhr und artgerechter Bewegung auch der positiven Stimulation der Fruchtbarkeit durch das Tageslicht gerecht. Das Futter einer Zuchtstute sollte in entsprechender Quantität und Qualität zugeführt werden. Grünfutter, qualitätsvolles Heu, Möhren, Grass- und Maissilage, Hafer und ein speziell für Zuchtstuten zusammengestelltes mit Vitaminen und Mineralstoffen versehenes Mischfutter sind empfehlenswert.

Die Fütterung der Zuchtstute sollte dem jeweiligen Fruchtbarkeitsstadium angepaßt sein. So benötigen güste und niedertragende Stuten weniger energie- und eiweißreiches Futter. Hochtragende und besonders laktierende Stuten müssen in ihrer Ration bis zum Doppelten an verdaulicher Energie und bis zum Dreifachen an verdaulichem Rohprotein erhalten.

Bevor die Stute dem Hengst zugeführt wird oder künstlich besamt wird, sollten vom Züchter einige Voraussetzungen geschaffen werden. Der allgemeine Gesundheitszustand der Stute und die Gesundheit und Funktionalität der Fruchtbarkeitsorgane im speziellen müssen überprüft werden. Das eine regelmäßige Entwurmung dazugehört soll nur nebenbei erwähnt werden.

Bei einer Problemstute, die also schon längere Zeit nicht tragend geworden ist, eine schwere Erkrankung hinter sich hat oder Erkrankungen der Geschlechtsorgane vorweist, sollte eine eingehende Untersuchung durch einen Tierarzt vorgenommen werden. Zur Untersuchung der Geschlechtsorgane gehört die äußerliche Besichtigung der Scham als auch des Stuteneuters. Hier festgestellte Veränderungen können gleich im Vorfeld abgeklärt werden. So wird häufig bei älteren Stuten ein mangelnder Schamschluß beobachtet, der zu einem ständigen bakteriellen Befall der Gebärmutter und damit zu einer chronischen Entzündung führen kann. Durch einen chirurgischen Eingriff (Caslick -Operation) kann der mangelnde Verschluß beseitigt werden.

Mit einem Spekulum können Scheidenvorhof und der Muttermund, welcher eine entscheidende Bedeutung beim Verschluß der Gebärmutter hat, beurteilt werden.

Eine tierzuchtmäßig vorgeschriebene Untersuchung für Stuten, die kein Fohlen bei Fuß haben, ist die Tupferprobe. Sie kann nur in der Rosse eine Aussage über den Keimgehalt in der Gebärmutter geben und sollte deshalb nur in diesem Zyklusstadium entnommen werden. Werden bei der Tupferprobe durch das Labor Bakterien festgestellt, kann nach der Erstellung eines Antibiograms durch den Tierarzt eine entsprechende Behandlung vorgenommen werden.

Eine sogenannte rektale Untersuchung , bei der der Tierarzt über die Darmwand hindurch Gebärmutter und Eierstöcke abtastet, gibt Hinweise über den Zyklusstand der Stute. Eine bessere Diagnosestellung ist mit einem Ultraschall gerät möglich. Man kann Flüssigkeitsansammlungen in der Gebärmutter, in der Gebärmutterwand, Größenveränderungen als auch Zystenbildungen genauer differenzieren. Am Eierstock kann man die Funktionskörper genauer untersuchen. Eierstockszysten, Blutergüsse oder Tumore können diagnostiziert werden.

Eine weitere Untersuchungsmöglichkeit bei Problemstuten stellt die Probenentnahme aus der Schleimhaut der Gebärmutter dar. Über diese Untersuchungsmethode kann genauer Auskunft über krankhafte Zustände oder hormonelle Störungen im Bereich der Gebärmutter gegeben werden. Auch eine endoskopische Untersuchung der Gebärmutter, gerade beim Auftreten von sogenannten Zysten (Flüssigkeitsblasen) und deren endoskopische Entfernung sind bei Diagnostik und Therapie hilfreich.

Hormonelle Störungen können durch Blutuntersuchungen festgestellt  werden.

Nur wenn alle Komponenten dieses Systems stimmen, kann der Züchter Jahr 16 bis 18 Tage nach der letzten Bedeckung die Fruchtblase als schwarzen Punkt auf dem Bildschirm des Ultraschallgerätes vom Tierarzt erkennen und mit der Geburt eines gesunden Fohlens rechnen.

 

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